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imperial objects

2020, 132 Seit­en, 24 × 17 cm, fadenge­heftetes Hard­cov­er, Lim­i­tierte Auflage von 20 Stück

In diesem Buch sind Fluchtlin­ien, Frag­mente, Geschicht­en und Ein­drücke miteinan­der in Beziehung geset­zt, die ich während meines Aufen­thalts in der Repub­lik Sacha (Jaku­tien) in den Jahren 2017–2019 gesam­melt habe. Die Repub­lik Sacha ist auch bekan­nt unter dem Namen 14. „Föder­a­tionssub­jekt“ und damit mit ein­er rus­sis­chen Wort­neuschöp­fung bedacht, um ter­ri­to­ri­ale Ein­heit­en nach Autonomiegraden zu kat­e­gorisieren. Wie diese impe­ri­ale Begrif­flichkeit so sind auch die Großpro­jek­te der Sow­je­tu­nion in Jaku­tien Unternehmungen zur Ressourcenkon­trolle und Machter­hal­tung. Start­punkt mein­er Recherche war eines dieser Pro­jek­te, das Dia­man­ten­berg­w­erk „Mir“ in der Stadt Mirny – die erste Dia­man­ten­mine der Sow­je­tu­nion. Der Durchmess­er des Schlots bemisst 1,2 Kilo­me­ter und seine Tiefe cir­ca 500 Meter. „Mir“ war in ihrer Entste­hungs­geschichte ein Exper­i­ment, eine kom­plexe Ver­such­sanord­nung dutzen­der poli­tis­ch­er, wirtschaftlich­er und ide­ol­o­gis­ch­er Maß­nah­men, die es zu dieser Zeit in solch einem Aus­maß noch nicht gegeben hat­te. Mit­tler­weile gibt es in Jaku­tien zahlre­iche weit­ere Minen ähn­lich­er Größenord­nung mit Pro­jek­t­laufzeit­en über mehrere Jahrzehnte hin­weg. So ent­standen angeregt durch den Erfolg „Mirs“ noch waghal­sigere Ver­suche mon­u­men­taler Größenord­nung.

Beispiel­sweise wur­den in Jaku­tien zwis­chen 1974–1987 zwölf Atom­bomben­test zur wirtschaftlichen Nutzbar­ma­chung der Land­schaft durchge­führt. Mit atom­aren Det­o­na­tio­nen wurde ver­sucht ein­er­seits die Land­schaft mit seis­mis­chen Mes­sun­gen zu durch­leucht­en und ander­er­seits Bauar­beit­en zu verkürzen oder Flüsse umzuleit­en. Die Fol­gen sind gigan­tisch und zugle­ich nicht allum­fassend zu überblick­en, da sich die Wirkung der Bomben tief ins Ökosys­tem eingeschrieben hat. Impe­r­i­al Objects (2020) ver­sam­melt einige dieser Pro­jek­te – ohne Anspruch auf Voll­ständigkeit, die vom sow­jetis­chen Staat in großem Maßstab und vor­wiegend geheim durchge­führt wur­den. Auf­grund der Geheimhal­tung sind per­sön­liche Beobach­tun­gen, Geschicht­en und Erin­nerun­gen oft die einzi­gen Nach­weise dieser Geschehnisse. Im Hin­blick auf diese Ver­gan­gen­heit ließe sich die (post)sowjetische Land­schaft als ein mate­ri­al­isiertes ide­ol­o­gis­ches Exper­i­men­tier­feld beschreiben, das sich für viele Jahrhun­derte tief in die Erd­kruste ein­schreibt. Der Staat­sap­pa­rat, der hin­ter den Vorhaben steckt, wirkt dabei in sein­er Vehe­menz wie eine gewaltige Mas­chine, die sich fortwährend durch den geol­o­gis­chen Raum und lang­währende Zeit­phasen frisst.